Im Arbeitsschutzausschuss beim staatlichen Schulamt in Darmstadt wurde das Thema „Lärmbelastung in Schulen” wiederholt diskutiert. Es bestand Einvernehmen darüber, dass Maßnahmen, die, soweit schulbedingt möglich, unabhängig vom Verhalten der Betroffenen wirksam sind, Vorrang haben vor organisatorischen und verhaltensabhängigen Maßnahmen. Das Grundprinzip des Vorranges technisch-baulicher Maßnahmen ist im Arbeitsschutz allgemein anerkannt.
Im Mai 2004 wurde schließlich die Durchführung eines Projektes zur Lärmreduzierung an Schulen beschlossen. Beteiligt sind das Staatliche Schulamt für die Stadt Darmstadt und den Landkreis Darmstadt-Dieburg, der Magistrat der Stadt Darmstadt, der Kreisverband Darmstadt der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und die Unfallkasse Hessen als zuständiger Unfallversicherungsträger mit gesetzlichem Präventionsauftrag.
Die Projektpartner gehen von der Erkenntnis aus, dass ein erheblicher Teil der Lärmbelastung auf ungünstige raumakustische Verhältnisse zurückzuführen ist. Eine gute Raumakustik gilt als Voraussetzung dafür, dass organisatorische und pädagogische Maßnahmen für mehr Ruhe nachhaltig wirken können. Zeitgemäße Unterrichtsmethoden wie Gruppenarbeit oder differenzierter Unterricht sollten nicht an unzulänglichen akustischen Bedingungen scheitern.
Vor diesem Hintergrund will das Darmstädter Projekt folgende Ziele erreichen:
Zur nachhaltigen Zielerreichung ist es besonders wichtig, alle Beteiligen (zuständige Behörden, Planer und Architekten, Lehrer, Schüler, Eltern) zu informieren und für das Anliegen zu gewinnen. Zu diesem Zweck wurden zahlreiche Gespräche, z.B. mit der Schuldezernentin und allen für die Schulen zuständigen Ämtern, geführt. Im Januar 2005 fand eine Informationsveranstaltung für alle derzeit im Darmstädter Schulbau tätigen Architekten statt. Es nahmen mehr als 50 Personen teil. Die Resonanz, die auch durch die örtliche Presse bis in die Öffentlichkeit drang, war sehr ermutigend.
In einem ersten Projektschritt wurde eine sehr umfangreiche Untersuchung der raumakustischen Qualität der Schulen durchgeführt. Zu lange Nachhallzeiten von Unterrichtsräumen gelten als wesentliche Ursache für erhöhte Lärmpegel und schlechte Sprachverständlichkeit. An 30 Schulen wurden in insgesamt 230 Räumen die Nachhallzeiten messtechnisch erfasst und mit den Sollwerten der DIN 18041 „Hörsamkeit von kleinen bis mittelgroßen Räumen” verglichen. Hierbei zeigte sich, dass in ca. einem Drittel der Räume die Akustik nicht optimal ist.
Gebäudeerrichtung, Instandhaltung und Sanierung sind originäre Aufgaben der Schulträger. Bei Bau und Einrichtung von Schulen gibt es eine Vielzahl von Vorschriften und technischen Regeln zu beachten. Hierzu gehören auch Anforderungen zur Sicherheit und zum Arbeits- und Gesundheitsschutz. Gute raumakustische Bedingungen sind zur Gesunderhaltung von Lehrenden und Lernenden unbedingte Voraussetzung.
Eine kurzfristige Sanierung aller betroffenen Räume durch den Schulträger ist bei der derzeitigen Situation der öffentlichen Haushalte leider nicht realisierbar. Aufgaben, die von den Schulträgern jedoch mindestens erwartet werden, sind die Berücksichtigung der akustischen Normen im Rahmen laufender Schulbausanierungsprogramme und bei allen Neu- und Umbauten, vertragliche Verpflichtung von Planern und ausführenden Firmen zur Erfüllung der akustischen Normen und nach Möglichkeit die vorgezogene Sanierung von besonders problematischen Räumen.
Es bleibt offensichtlich unvermeidbar, dass eine Reihe von Schulen auf Verbesserung durch die zuständigen Stellen noch Jahre wird warten müssen. Projektziel war es deshalb auch, Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik zu entwickeln und zu testen, die in Selbsthilfe von Eltern und Lehrkräften realisierbar sind. Drei Schulen mit akustisch schlechten Bedingungen meldeten sich zur Mitarbeit beim diesem zweiten Projektteil an. Dies waren die Bernhard-Adelung-Schule, die Eleonorenschule und das Ludwig-Georgs-Gymnasium.
In diesen drei Schulen wurden in insgesamt 8 Klassenzimmern Maßnahmen zur Verbesserung der Raumakustik umgesetzt. Bei der Auswahl der zu verwendenden Materialien und der Art ihrer Montage bestand das Ziel, die Vorgaben der Norm möglichst in vollem Umfang zu erfüllen. Die Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen sollte sicherstellen, dass auch alle sonstigen Anforderungen, zum Beispiel hinsichtlich Brandschutz und gesundheitlicher Unbedenklichkeit, ausreichend berücksichtigt werden.
--> Projektpräsentation (Folien der Abschlussveranstaltung) (ca. 2,6 MB)
