--> Selbsthilfebroschüre (ca. 1,2 MB)
Selbsthilfeaktionen in Schulen sind schon lange nichts Außergewöhnliches mehr. Eltern, Schüler, Lehrkräfte, die den Pausenhof gestalten, Spielgeräte bauen oder die Klassenzimmer streichen, sind vielerorts im Einsatz.
Hierzu ein Hinweis: Werden diese Arbeiten offiziell im Auftrag der Schule durchgeführt, sind auch Eltern gesetzlich unfallversichert, wenn Sie infolge der Tätigkeit einen Unfall erleiden. Im Falle eines Falles ist der Unfall über die Schule der Unfallkasse Hessen zu melden. Eine Anmeldung der Personen im Vorfeld einer solchen Aktion ist nicht erforderlich.
Bei der Auswahl von Materialien, die sich für Selbsthilfeprojekte zur Verbesserung der Akustik eignen, sind insbesondere folgende Aspekte zu berücksichtigen:
Nach umfangreichen Recherchen wurden im Rahmen des Projektes unter Berücksichtigung o.g. Kriterien ein akustisch hochwirksamer Schaumstoff, in einigen Räumen ergänzt durch mit Mineralwolle hinterlegte Plattenkonstruktionen, getestet. Bei dem verwendeten Schaumstoff handelt sch um einen Melaminharzschaum, der die Herstellerbezeichnung Basotect® führt, von Weiterverarbeitern auch unter anderen Namen angeboten wird. Schaumstoff erscheint für die Verarbeitung durch Laien besonders geeignet, da er aufgrund seines geringen Gewichtes ohne aufwändige Trägerkonstruktionen verbaut werden kann und mit einfachen Hilfsmitteln zu bearbeiten ist. Es sei darauf hingewiesen, dass Wärmedämmstoffe wie Styropor aufgrund der geschlossenen Oberflächenstruktur keine schallabsorbierende Wirkung haben. Durch die Anbringung von Melaminharzschaum an der Decke können die Nachhallzeiten wirksam reduziert werden.
Abb. :1 Lehrer und Schüler beim Verarbeiten der Akustikschaumplatten
Etwa die Hälfte der Deckenfläche sollte mindestens belegt werden. Die bei den Modellversuchen verwendete Materialstärke betrug 45 mm. Es wurden Platten mit einer waffelartigen Oberfläche eingesetzt. Diese Oberflächenstruktur hat keine besonderen akustischen Vorteile. Platten mit anderer Oberflächenstruktur oder einer glatten Oberfläche können ebenso eingesetzt werden. Von noch geringeren Dicken ist unbedingt abzuraten, da dann eine weitere Verschlechterung der Wirkung im Bereich tiefer Frequenzen zu erwarten ist. Die Einbringung des Schaums an der Decke bringt leider in den tiefen Frequenzen nicht den nötigen Erfolg, da hierfür eine sehr große Materialdicke oder ein Hohlraum von 20 bis 30 cm gebraucht würde. Einen solchen Hohlraum herzustellen, ist deutlich aufwändiger und bedeutet zudem einen erhöhten Materialeinsatz, da zusätzliche Streifen für die Unterkonstruktion benötigt werden. Beispielhaft wurde dies in Raum 18 durchgeführt. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Zerstörungsanfälligkeit durch den Hohlraum größer wird.
Wir schlagen daher zur Regulierung der Nachhallzeit bei tiefen Frequenzen die Anbringung von „Plattenresonatoren” an den Wänden vor. Diese können als Pinwände genutzt werden. Die Platten sollten einen Wandabstand von ca. 6 cm aufweisen. Die Fläche sollte 8 m² möglichst nicht unterschreiten. Es gilt, je mehr desto besser.
Selbsthilfemaßnahmen wurden in 8 Klassenräumen erprobt. In allen konnte die Akustik deutlich verbessert werden. Die Ergebnisse sollen an zwei Beispielen illustriert werden:
Abb. 2: Raum 18
Abb. 3: Messung der Nachhallzeiten von Raum 18 vor und nach dem Absorbereinbau
In Raum 18 wurde nur die Decke behandelt. Die Absorberfläche beträgt 24 m² (ca. 35% der Grundfläche). Durch eine Unterkonstruktion mit zugeschnittenen Melaminharzstreifen wurde ein Deckenhohlraum von 20 cm geschaffen.

Abb. 4: Raum 14
Abb. 5: Verbesserung der Akustik von Raum 14
In Raum 14 wurde an der Decke eine Absorberfläche von 30 m² (ca. 45% der Grundfläche) eingebracht. Der Wandabsorber an der Rückwand (weiße Fläche im oberen Wandbereich) wurde mit Hartfaserplatten aufgebaut.
Die Kosten der beschriebenen Maßnahmen können mit folgenden Angaben kalkuliert werden:
Für einen typischen Klassenraum ergibt sich daraus eine Gesamtsumme von 600 bis 800 €.
Ergänzend können zu den beschriebenen Maßnahmen auch Einrichtungsgegenstände zur Schallabsorption eingesetzt werden. Offene Regalsysteme, die nicht belegt sind, absorbieren den Schall nur wenig. Erst wenn die Regale mit Büchern, Papier oder Spielmaterial gefüllt sind, ergibt sich eine gute Schallabsorption . Teppiche und Vorhänge reduzieren die Nach hallzeiten im Bereich hoher Frequenzen. Bei tiefen Frequenzen sind sie jedoch wirkungslos. In Klassenzimmern von Grundschulen werden häufig Leseecken mit Matratzen, Postersesseln oder Sofas eingerichtet. Unter dem Gesichtspunkt der Raumakustik ist dies als günstig zu bewerten.
Noch liegen keine Erfahrungen über die Dauerhaftigkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen vor. Der erste Raum (Raum 18) wurde im Sommer 2005 fertig gestellt. Trotz anfänglicher Befürchtungen sind Beschädigungen bisher unterblieben. Eine hohe Beständigkeit des schwer entflammbaren Melaminharzschaumstoffes gegen Vergilben oder mechanischen Veränderungen wird vom Hersteller garantiert.
Bei raumakustisch besonders schwierigen Räumen mit Nachhallzeiten von über 2 Sekunden bei tiefen Frequenzen stoßen die vorgeschlagenen Maßnahmen an ihre Grenzen.
Es soll an dieser Stelle auch noch mal darauf hingewiesen werden, dass es sich um temporäre Ersatzmaßnahmen handelt, die auf Dauer durch bauliche Maßnahmen der Schulträger ersetzt werden müssen.
Die beschriebenen Vorschläge sind bei begrenzten finanziellen und zeitlichen Ressourcen entwickelt worden. Weitere Anregungen, Hinweise und vor Allem gute Ideen zur Weiterentwicklung von Umsetzungshilfen für die Verbesserung der akustischen Bedingungen in Schulen werden gegen entgegen genommen.
Die Vorstellung aller 8 Modellräume sowie eine ausführliche Bauanleitung stehen als Download zur Verfügung: